Frau in der Dunkelheit

Am kommenden Montag, den 21. Dezember ist Wintersonnenwende bei uns auf der Nordhalbkugel – ein ganz besonderer Zeitpunkt, um zu reflektieren, Altes ins Feuer zu geben und schließlich das Licht und die Freude in unser Leben einzuladen.

Auf den kürzesten Tag folgt die längste Nacht des Jahres: Wir haben nur etwa acht Stunden Tageslicht und fast 16 Stunden Dunkelheit. Die Wintersonnenwende (Winter Solstice), die auch den astronomischen Winteranfang markiert, wird seit Jahrhunderten in verschiedenen Kulturen gefeiert. Die längste Nacht des Jahres, auch als Julnacht oder Thomasnacht bekannt, macht es uns möglich, uns bewusst der Dunkelheit zu stellen. Der Dunkelheit im Außen, aber auch unseren inneren Schattenanteilen. Schlussendlich ist die Wintersonnenwende aber ein Fest des Lichts und der Geburt der wiederkehrenden Sonne, denn jetzt werden die Tage ganz langsam wieder länger und wir können die ersten Frühlingsdüfte quasi schon riechen.

Um das Licht bewusst zu feiern, sind Rituale zur Wintersonnenwende genau richtig. Generell sind Rituale eine echte Bereicherung im Leben. Aber in der Nacht vom 21. Dezember geht energetisch ein Tor auf, das jedes Ritual einfach noch kraftvoller macht.

Bedeutung der Wintersonnenwende

Oh ja, ich freu mich definitiv auf mehr warme Sonnenstrahlen und Helligkeit, auch wenn mich der Winter mit seiner Ruhe und Kälte gerade auch streichelt. Symbolisch geht es bei der Wintersonnenwende aber um viel mehr: Es geht um das Einladen des inneren Lichts, um das Einladen der Freude (zurück) in unser Leben.

Ganz ehrlich: Dieses Jahr war ganz schön herausfordernd. Wenn es dir ähnlich geht wie mir, hat 2020 innerlich vieles durcheinandergewirbelt und für einige richtige Tiefpunkte gesorgt. Jetzt bekommt energetisch das Licht und die Sonne Stück für Stück, Tag für Tag, wieder mehr Raum in unserem Leben. Selbst wenn es sich vielleicht nicht direkt in den äußeren Umständen äußert, können wir uns darauf ausrichten, wieder das Gute und Schöne wahrzunehmen, das uns umgibt. „Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich“, sagt ein bekanntes Sprichwort. Unsere positive Ausrichtung macht ein Leben in Freude möglich. Dabei wird die Dunkelheit immer Teil unseres Erfahrens bleiben, so wie im Jahreskreis auch immer wieder der Winter kommt, der seinen eigenen und ganz wichtigen Zweck erfüllt.

Mit Intention in die Rauhnächte

Du kannst die Wintersonnenwende als einen Neubeginn betrachten. Sie ist der langsame Übergang in das neue Jahr. Und sie leitet über in die zwölf Rauhnächte, die Zeit zwischen den Zeiten. Die Nächte in der Zeit 25./26. Dezember bis 5. /6. Januar gelten als die Nächte des Jahres, in denen sich der Schleier vor unseren Augen und Herzen besonders leicht lüften kann und der Zugang zur spirituellen Dimension einfacher möglich ist. Die Rauhnächte (wobei die Tage genauso wichtig sind) kannst du durch bewusste Reflexion und das Formulieren von Intentionen nutzen, um dich auf die zwölf Monate des nächsten Jahres mit Klarheit und Fokus auszurichten.

Wenn du die Wintersonnenwende bewusst begehen willst, dann frag dich: Was in mir will ans Licht? Die folgenden Rituale helfen dir.

Rituale zur Wintersonnenwende

Wenn dein vorweihnachtlicher Terminkalender es möglich macht, nimm dir am besten am Montag ab Sonnenuntergang gegen 16 Uhr ganz bewusst Zeit für dich. Du kannst eines der folgenden Rituale oder auch alle ausführen. Schau einfach, was dich anspricht und geht ganz mit dem, was in dir innere Resonanz erzeugt.

Räuchern und Teezeremonie mit Johanniskraut

Traditionell wurden zum Julfest Pflanzen geräuchert, die die Sonnensignatur in sich tragen. Sonnenpflanzen haben eine stimmungsaufhellende Wirkung, was wir alle in Zeiten der Dunkelheit gut gebrauchen können. Meine Liebste ist hier Johanniskraut mit ihren goldgelben Blüten. Die Lichtblume spendet der Seele Balsam und sogar die westliche Wissenschaft belegt ihre Heilwirkung als Antidepressivum.

Nachdem du mit Johanniskraut deinen Raum und dich selbst abgeräuchert hast, mach ein kleines Tee-Ritual: Mach dir ganz bewusst eine Tasse Johanniskrauttee und trink ihn ganz langsam, Schluck für Schluck. Stell dir dabei vor, wie du innerlich Sonne tankst.

Marlis Bader empfiehlt in ihrem Buch Räuchern mit heimischen Kräutern übrigens neben Johanniskraut u.a. auch Alantwurzel, Beifuß, Fichtenharz, Tannenharz, Myrrhe, Rosenblätter und Weihrauch als Räucherpflanzen zur Wintersonnenwende.

Winterspaziergang in die Dunkelheit

Geh nach Sonnenuntergang allein oder mit Begleitung im Schweigen in den Wald oder raus in die Natur, wo keine Straßenlaternen leuchten. Mach einen langen Winterspaziergang und nimm ganz bewusst die Dunkelheit wahr, die dich und die Welt umhüllt. Schau in den Sternenhimmel und zum Mond.

Wie ist es für dich, in der Dunkelheit zu sein? Welche Gefühle oder Bilder kommen hoch? Ist Angst da? Wovor hast du Angst? Dann schließ auch für einige Minuten die Augen und geh in Kontakt mit deiner eigenen inneren Dunkelheit. Wo sind die dunklen Stellen? Was kannst du wahrnehmen? Und welche Botschaft haben sie für dich?

Rituelles Feuer

Das Feuer steht für Transformation. Es transformiert nicht nur das, was wir physisch hineingeben, sondern es transformiert auch uns, wenn wir uns mit seiner Qualität verbinden. Wenn du kannst, dann mach in der Julnacht unbedingt ein Feuer. Hör dem Knistern zu, spür die Wärme, beobachte den Rauch.

Dann nimm dir ein schönes Blatt Papier und schreib auf, was du aus dem alten Jahr loslassen willst – negative Gedanken, Menschen, die dir nicht guttun, selbstsabotierende Eigenschaften. Gib den Zettel in das Feuer und verabschiede dich von deinen Altlasten. Bedank dich beim Feuer für seine reinigende Kraft.

Tratak Meditation

Tratak ist eine Meditation aus dem Yoga, die auch als Reinigungsübung (Shatkriya) angesehen wird. Genau genommen ist sie eine Vorstufe der Meditation durch Konzentration. Der Geist wird auf ein bestimmtes Objekt fokussiert und kommt hierdurch immer mehr zur Ruhe. Eine Variante von Tratak ist es, den ganzen Fokus auf die Flamme einer brennenden Kerze zu richten.

Komm in einen Meditationssitz, zünde eine Kerze an, stell sie vor dir hin und schau für drei Minuten mit sanftem Blick in die Flamme. Dann schließ die Augen und schau auf das nachleuchtende Bild hinter deinen geschlossenen Augen. Wenn es erlischt, schau wieder in die Flamme. Dann schließe wieder die Augen und so weiter. Wenn dein Geist nach einer Weile fokussiert ist, halte die Augen geschlossen und verbinde dich mit deinem inneren Licht. Wo verortest du dein inneres Licht? Lass es in dir größer und heller werden, bis es deinen ganzen Körper von innen ausleuchtet.

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Fotocredit: Christopher Campbell | Unsplash

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